Pressemitteilung Nr. 127 vom 27.03.2025 Besser mobil. Besser leben.: Potsdamerinnen und Potsdamer nutzen für Wege in der Stadt häufiger den Umweltverbund

Ergebnisse der SrV-Erhebung 2023 vorgestellt / Umweltgerechte Verkehrsmittel als wichtige Grundlage für nachhaltige Stadtentwicklung und Wirtschaftsstandort
Drei Männer und drei Frau laufen in der herbstlichen Dortustraße Richtung Kamera.
© Landeshauptstadt Potsdam/Robert Schnabel

Die Potsdamerinnen und Potsdamer bewegen sich in der Stadt häufiger mit dem Fahrrad und gehen noch häufiger zu Fuß. Das zeigt die Auswertung der Studie „Mobilität in Städten – System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) 2023“ der Technischen Universität Dresden, die Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, gemeinsam mit Norman Niehoff, Fachbereichsleiter Mobilität und technische Infrastruktur, heute vorgestellt haben.

„Die Ergebnisse der Mobilitätsuntersuchung zeigen, dass wir unsere Prioritäten bei der Verkehrsentwicklung in den vergangenen Jahren richtig gesetzt haben und ein Wandel im Mobilitätsverhalten möglich ist. Bei Wegen innerhalb der Landeshauptstadt werden die Verkehrsmittel des Umweltverbundes mittlerweile für 80 Prozent der Wege genutzt – das ist ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Jahr 2018 bzw. 9 Prozent im Vergleich zu 2013. Auch im Gesamtverkehr stieg der Anteil im Vergleich zur Erhebung 2018 um 5 Prozent. Der öffentliche Nahverkehr bleibt dabei eine bevorzugte Wahl für viele Potsdamer“, sagt der Beigeordnete Bernd Rubelt. „Wir sehen aber auch, dass die Anteile der Wege mit dem öffentlichen Nahverkehr im Vergleich zu den Werten vor der Corona-Pandemie gesunken sind, vor allem für den täglichen Arbeits- oder Schulweg und bei längeren Strecken über 10 Kilometern. Eine weitere Fokussierung auf einen starken ÖPNV – gerade im Pendlerverkehr – gehört damit auch zu unseren zukünftigen Aufgaben, um das Vertrauen in unseren sehr guten ÖPNV zurückzugewinnen und das Angebot attraktiv zu halten“, so Rubelt weiter.

Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung zum Mobilitätsverhalten sind:

  • Im Binnenverkehr, das heißt bei Wegen innerhalb der Stadt, steigt im Vergleich zur Erhebung 2018 der Anteil des Radverkehrs um 3 Prozentpunkte auf einen Anteil von 31 Prozent und der Fußverkehr um 6 auf 34 Prozent.
  • Insgesamt ist der Wegeanteil im Umweltverbund (ÖPNV, Fuß- und Radverkehr) im Vergleich zu 2018 gestiegen – sowohl im Binnenverkehr von 74 auf 80 Prozent, als auch im Gesamtverkehr von 68 auf 73 Prozent – bei Rückgang des motorisierten Individualverkehrs und trotz einer generellen Zunahme der Anzahl der Wege durch das deutliche Bevölkerungswachstum im Betrachtungszeitraum.
  • Da das Stadtgebiet der Landeshauptstadt siedlungsstrukturelle Unterschiede aufweist, wurden zur Auswertung vier Gebietstypen gebildet: Innenstadt/Potsdam West, Innenstadtrand, Ost/Südostraum und neue Ortsteile (Nord/Nordwestraum). Diese Gebiete unterscheiden sich im Mobilitätsverhalten der Bewohner, was die Wahl der Verkehrsmittel betrifft (Modal Split), aber der Radverkehrsanteil steigt in allen Gebieten und der Anteil des motorisierten Individualverkehrs sinkt weiter. Somit unterscheidet sich die Entwicklung des Modal Split in den einzelnen Stadtgebieten nur wenig, was den allgemeinen Trend eines geänderten Mobilitätsverhaltens widerspiegelt. 
  • Auf alle Wege in der Stadt bezogen, stellt der Fußverkehr erstmals die vorherrschende Verkehrsart bei der Verkehrsmittelwahl dar. 
  • Der Anteil des ÖPNV an allen Wegen ist im Vergleich zum Jahr 2018 zurückgegangen, vorwiegend bei Wegen mit einer Entfernung von mehr als 10 Kilometern und beim Weg zum Arbeitsplatz (hier wird überdurchschnittlich das Auto genutzt) bzw. zu Kita/Schule/Ausbildung oder Freizeit. 
  • Bei Entfernungen von weniger als 3 Kilometern nutzen Potsdamerinnen und Potsdamer für die Wege mit 58 Prozent vorwiegend das Rad oder gehen zu Fuß.

Die Ergebnisse zur Verkehrsentwicklung der letzten Jahre stellen eine wichtige Grundlage für die aktuell stattfindende Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes Verkehr (StEK Verkehr) dar. „Aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums der Landeshauptstadt Potsdam gilt weiterhin, dass wir nur durch eine gezielte Stärkung des ÖPNV sowie des Fuß- und Radverkehrs die Verkehrsnachfrage in unserer Stadt für alle Wege akzeptabel steuern und die Umwelt- und Lärmbelastung durch den motorisierten Verkehr im Stadtgebiet weiter reduzieren können. Die Konkurrenz aller Verkehrsteilnehmer um die begrenzte Fläche in der Landeshauptstadt, eine sichere und nachfrageorientierte Mobilität für alle und damit eine hohe Lebensqualität bleibt eine der größten Herausforderungen.“, sagt der Beigeordnete.

Hintergrund: Die Zeitreihenuntersuchung „Mobilität in Städten – SrV“ 
Das als System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) konzipierte Projekt wurde an der TU Dresden bereits 1972 begründet. Durch die regelmäßige Wiederholung dieser Untersuchung im Abstand von fünf Jahren liegen Erkenntnisse zur Verkehrsentwicklung über einen Zeithorizont von nahezu 50 Jahren vor. Sie zeigen unter anderem, dass Mobilität und Verkehr stadt- und gemeindespezifisch große Unterschiede aufweisen können. Umso wichtiger ist es, die örtliche Verkehrsplanung durch regelmäßige Aktualisierung der Datengrundlagen zu unterstützen. 
Das Projekt liefert wichtige Erkenntnisse und Grunddaten für die Mobilitätsplanung und die Verkehrspolitik. Die anonymisierte Auswertung der erhobenen Daten ermöglichen ein differenziertes Bild der jeweils stadt- bzw. gemeindespezifischen Mobilität. Ein zusätzlicher Nutzen entsteht durch den Vergleich mit Städten bzw. Gemeinden ähnlicher Größenordnung.

Die SrV-Erhebung 2023 umfasste insgesamt 134 Untersuchungsräume, die sich aus fast 500 Städten, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zusammensetzten. Die Erhebung lief von Februar 2023 bis Januar 2024 zeitgleich im gesamten Bundesgebiet und richtete sich an Bürgerinnen und Bürgern aus allen Bevölkerungsschichten. Die Adressen der ausgewählten Haushalte wurden per Zufallsverfahren aus dem Melderegister gezogen. Die ausgewählten Haushalte erhielten ein Ankündigungsschreiben, das sie über die Befragung informierte und um ihre Mitwirkung bat. Die Fragen konnten flexibel über einen Online-Zugang im Internet beantwortet werden. Alternativ stand am Telefon geschultes Interviewpersonal zur Verfügung. Auch eine Telefonhotline und ein Webchat waren eingerichtet. Die Teilnahme an der Erhebung war freiwillig. Die Einhaltung der Bestimmungen des Datenschutzes gemäß Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) waren gewährleistet. In Potsdam nahmen 2.199 Personen an der Befragung zu ihrem Mobilitätsverhalten teil.

Die große Gesamtstichprobe des Projekts von mehr als 280.000 Personen ermöglicht es auch, Erkenntnisse zu stadtübergreifenden Trends zu gewinnen. Hierzu gehört die Entwicklung der Verkehrsmittelwahl, die in der Diskussion um klima- oder auch pandemiebedingte Änderungen der Mobilität eine große Rolle spielt. Aber auch die allgemeine Nutzung von Carsharing-Angeboten und Elektrofahrrädern sowie die Mobilität von Kindern, Jugendlichen und Senioren werden analysiert.

Weitere Informationen unter: https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv 

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